Interview Pro-Jungimker – Bienenstock

Bienenstock Interview – Betreiber der Seite www. pro-jungimker.de

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Hallo Herr Lange. Bitte stellen Sie sich meinen Lesern kurz vor.

Lange: Mein Name ist Ramunas Lange. Mit meiner Frau Jovita sind wir Imker mit Leib und Seele; wir halten eine dreistellige Anzahl an Bienenvölkern, züchten Bienenköniginnen und beschäftigen in der Hochsaison vier Imkergehilfen. 

Wann sind Sie Imker geworden und wie sind Sie darauf gekommen?

Lange: Meine Familie betreibt seit Generationen Landwirtschaft – da es besonders als Landwirt „früher“ üblich war, neben Rindern und Schweinen auch noch einige Bienenvölker zu haben, bin ich mit Bienen aufgewachsen. Nebenerwerbsimker wurde ich allerdings erst 2001, Vollerwerbsimker 2006.

Sie betreiben die Webseite www.pro-jungimker.de Was genau findet man auf dieser Seite?

Lange: Die Seite pro-jungimker richtet sich tatsächlich erst einmal an alle Jungimker und an solche, die es werden wollen. Ganz weg von Theorien und Grundsatzdiskussionen zur Biologie und Ethik der Biene, wollen wir hier Neueinsteigern, aber auch „Alten Hasen“, helfen, die Imkerei zu verstehen u n d erfolgreich zu betreiben. Die Berichte auf dieser Seite haben wir mit Berufskollegen verfasst, eben mit Praktikern, die wissen, was sie tun. Und, ganz wichtig: Ohne jegliche finanzielle Unterstützung, denn wollen wir in unserer Meinung frei bleiben.

An wen richtet sich ihre Seite?

Lange: Sie richtet sich an Jungimker und Alte Hasen.

Wann genau ist ihre Seite online gegangen?

Lange: Unsere Seite ist seit 2006 online.

Wie waren ihre Anfänge?

Lange: Erfreulicherweise ist unsere Seite gleich auf großes Interesse in der Imkerschaft gestoßen – durch die ständig steigende Zahl der Neuimker in Deutschland hat sich das bis heute auch nicht geändert. Besonders bei Wartungsarbeiten der Seite bemerken wir, wie gerne sie besucht wird, denn ist sie einmal nicht im Netz abrufbar, erhalten wir besorgte Emails; manchmal ruft sogar ein Imkervereinsvorsitzender an und fragt, wann es denn weiter gehen würde 😉

Haben Sie sich auf Ihrer Seite auf ein spezielles Projekt spezialisiert?

Lange: Unser einziges Projekt ist es, in einer schwierigen Zeit die Imkerei erlernbar zu machen. Dies ist eher ein immerwährender Prozess. Trotz aller Bemühungen von Bieneninstituten und regen Schulungen in den Imkerverbänden verlieren deutsche Imker im Jahresmittel 30-40 % ihrer Bienenvölker.

Haben Sie sich auf ein speziellen Bienenstock spezialisiert?

Lange: Unsere Bienenvölker, die Honig produzieren sollen, werden in Dadant mod. (US) gehalten. Eine sehr praktische Einraumbeute mit groem Brutraum und kleinerem Honigraum (Halbzargen). Meine Frau Jovita imkert in ihrem Zuchtbetrieb im Deutsch Normal – die Brutrahmen sind ihrer Meinung nach einfach zu handeln, haben wenig Gewicht.

Besuche Sie auch andere Seiten, wenn es um das Thema Bienenstock geht?

Lange: Mein Favorit ist die Seite der Magazinimker http://www.magazinimker.de/Startseite/ mit Büchern und Bauplänen über und für verschiedene Beutensysteme. 

Wie soll der Werdegang Ihrer Seite aussehen? Was wünschen Sie sich für die Seite für die Zukunft?

Lange: Wir suchen immer wieder neue Autoren zu Fachthemen wie Varroabehandlung und Königinnenzucht. Leider haben Berufsimker wenig Zeit zum Schreiben, daher ist es hier nicht leicht, passende Kandidaten zu finden.

Ist es möglich durch Tipps und Infos auf Ihrer Seite auch etwas als erfahrener Imker zu erfahren und sein Hobby so zum Beruf zu machen?

Lange: Dies ist natürlich möglich – alle wichtigen Themen, quasi die Säulen einer erfolgreichen Imkerei, werden beleuchtet: Zucht, Selektion, Varroabehandlung

Auf Ihrer Internetseite haben Sie eine eigene Rubrik die „Patenschaft“. Warum ist es gerade als Neuimker so wichtig, sich helfen zu lassen?

Lange: Wir haben sehr viele sogenannte Internetimker in Deutschland, die weder im Verein organisiert, noch versichert sind. Daher wollen wir auf pro-jungimker mehr als nur reine Internetinformationen zur Biene anbieten und eben die so wichtigen praktischen Einblicke in eine Imkerei ermöglichen. Nicht nur mit Rat, sondern auch mit Tat zur Seite stehen – dies geht eben nur mit Patenschaften.

Warum meinen Sie, gibt es so wenig Imker?

Lange: Haben wir das wirklich? Nun, besonders in den letzten Jahren können deutsche Hobby- Imkerverbände stetigen Zuwachs an Neuimkern vermelden. Wir haben aktuell über 100.000 in Vereinen organisierte Bienenhalter, hinzu kommen geschätzte 50.000 nicht organisierte Bienenfreunde. 

Wir haben hier wohl eher zu wenig Bienenvölker, denn im Schnitt kommen auf einen Imker 7 Bienenvölker. Wir bräuchten mehr Berufsimker in Deutschland, denn davon gibt es wirklich nur sehr wenige (wenige Hundert), ebenso eine attraktive Förderung dieses körperlich schweren Berufes. Machen wir uns hier bitte nichts vor: Durch Kleinstimkereien werden wir keine flächendeckende Bestäubung in unserem Lande erzielen.

Warum gibt es sogenannte „künstliche Besamungen“ der Bienenkönigin? Schaffen die Tiere das nicht völlig selbstständig?

Lange: Die instrumentelle Besamung von Tieren ist in der Zucht ein altes, regelmäßig praktiziertes Mittel. Kontrollierte Anpaarung bedeutet immer eine Leistungsverbesserung. Dies sehen wir in der Schweine-, Rinder- und Bienenzucht. Natürlich gibt es hier Meinungen, dass der Mensch sich in das Leben einer Biene nicht „einmischen “ soll. Dieser Wunsch ist aber nicht mehr praktikabel nach Import (durch Menschenhand) von verschiedenen, der europäischen Biene nicht bekannten Feinden wie Varroamilbe und Kleinen Beutenkäfer.

Bei der instrumentellen Besamung geht es um Auffindung von nachzuchtwürdigen Zuchttieren (F0) – die Nachzucht wird auch bei uns konventionell und natürlich am eigenen Bienenstand durchgeführt.

Wie wichtig ist die Ethik in der Imkerei? Bitte erzählen Sie hierzu Näheres.

Lange: Der Volksmund sagt, dass Imker gute, verständnisvolle, ruhige Menschen sind. Das liegt wohl daran, dass die damals sehr aggressive Biene nur schwer zu bearbeiten war, und die Menschen wunderten sich, wie jemand mit Bienen arbeiten kann, ohne gleich mehrmals gestochen zu werden.

Leider jedoch zeigen aktuelle Beispiele von Konkurrenzdenken, Verweigerung von Hilfestellung für Jungimker, die oftmals nur als Mitbewerber angesehen werden, die Honig verkaufen und eventuell bestehende Kunden wegnehmen könnten, ein anderes Bild.

Imker sind nur eine Wiederspiegelung unserer aktuellen Gesellschaft und so gut oder so schlecht, wie wir alle. Wünschenswert wäre jedoch eine andere Situation …

Zum Ende unseres Interviews würden wir uns noch über drei Tipps für den Imker freuen. Was sollte auf jeden Fall beachtet werden?

Lange: Wichtig für jeden Imker sind zwei Dinge: Das Erlernen der Varroabehandlung und die Zucht und Selektion von Bienenköniginnen. 

Warum? Nur gute und ruhige Bienenvölker bringen viel Honig, sind gesund und vital. Leider jedoch kann sich die Biene von dem Parasit Varroamilbe nicht selbst befreien – hier sind wir Imker gefragt.

Vielen Dank Herr Lange, für das sehr nette Interview.

 

Interviewpartner: Ramunas Lange, Betreiber der Webseite www.pro-jungimker.de